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Erfahrungsberichte

Erfahrungen von Andrea K.* - 22 Jahre, gehörlos (Name von der Redaktion geändert)

Mit 22 Jahren bin ich durch eine neurologische Erkrankung ertaubt. Ich werde als "spätertaubt" bezeichnet, da ich nach dem Erwerb der Sprache das Gehör verloren habe. Menschen, die vor dem Erwerb der Sprache das Gehör verlieren, werden als "gehörlos" bezeichnet.

Ausbildung beim Berufsbildungswerk

Da ich durch meine Erkrankung mehrere Behinderungen erlangt habe, musste ich mein Studium und die Ausbildung, die ich danach begonnen habe, abbrechen. Vom Arbeitsamt wurde mir die Ausbildung an der virtuellen Fachschule des Berufsbildungswerks Neckargemünd empfohlen. Die propagierte "Barrierefreiheit" hatte für mich ihre Grenzen. Als ich mich über die Website der virtuellen Fachschule über die Barrierefreiheit informieren wollte, stach mir ein Bild mit einem jungen Mädchen ins Auge. Sie wurde beim e-learning gezeigt. Was meine Alarmglocken in Bereitschaft brachte, war das "Headset" des Mädchens. Mein Nachfragen am Berufsbildungswerk bestätigte, dass man zur Teilnahme an der Fachschule hören können muss. Ist das Barrierefreiheit?

E-Learning

Da ich mich weiterbilden möchte, versuchte ich an einem Kurs von www.akademie.de teilzunehmen. Dort habe ich im Rahmen einer Probemitgliedschaft verschiedene Kurse ausprobiert, die meisten sind textorientiert und enthalten keine interaktiven Elemente. Nicht nachvollziehen konnte ich die Inhalte auf der Seite "Bildschirmvideo und –foto leicht gemacht –mit dem Jingproject":
http://www.akademie.de/grundlagen-computer-internet/internet-basiswissen/videos/video-zeigen-statt-erklaeren-bildschirmvideos-kinderleicht/index.html
Auf der Seite wird in einem Video das Vorgehen erklärt. Leider absolut unverständlich für mich. Meine hörender Kollege bestätigte mir meine Vermutung: Die reine Sprachausgabe schloss mich vom Kreis der Lernenden aus.

Informationen zum Persönlichen Budget

Auf der Website des BMAS habe ich nach der Eingabe "DGS" in der Suchfunktion Gebärdensprachfilme gefunden. Ich habe leider kein "Handsymbol" entdeckt, dafür aber einen Link mit der Aufforderung zum Anhören. Die Filme wurden professionell [...] hergestellt. Alle Filme sind ähnlich aufgebaut: Zuerst erscheint die zentrale Frage im Bild, dann startet der Film. Die Einleitung macht eine Frau und dann kommt ein Mann, beide nach genauerem Hinsehen in weinrot gekleidet. Ich frage mich, warum er ein weinrotes Hemd trägt. Vorschrift für Dolmetscher ist schwarz! Ein wenig unglücklich ist der blaue Hintergrund. Die Kontraste sind für mich schlecht. Im Vergleich zu anderen Gebärdenvideos war das Bild recht groß (Länge 9,5 cm - Breite 8 cm, zentral am Bildschirm angeordnet). Für mich, die erst vor wenigen Jahren Gebärdensprache gelernt hat und bei der DGS sehr genau hin schauen muss, war es aber zu klein.

Videos ohne Alternativen

Als ich mich auf der Seite nach weiteren Informationen umgeschaut habe, fand ich verschiedene Videos, z. B. das Video zum Unternehmenswettbewerb "Beschäftigung gestalten - Unternehmen zeigen Verantwortung". Die Inhalte konnte ich nicht verstehen, da die Videos ohne Untertitel oder andere Alternativen für mich völlig unverständlich sind.

Letzte Aktualisierung am 22.09.2008